LICHTERKETTE – Martin Dessecker – o.T. (normal?)

LICHTERKETTE – die Winterreihe im raumB1

Martin Dessecker – o.T. (normal?)
Vernissage: Freitag, 13. Februar 2026
Ausstellungsdauer: 13. Februar – 1. März 2026
Öffnungszeiten: täglich von außen erlebbar.
Ort: raumB1, Utting am Ammersee

Als 4. Position der Winterreihe LICHTERKETTE zeigt der raumB1 in Utting unter der Leitung von Joerg Staeger die eigens für den raumB1 entwickelte Installation „o.T. (normal?)“ von Martin Dessecker.

Die Arbeit thematisiert Wahrnehmung als offenen, instabilen Prozess. Sie setzt dort an, wo Gewissheiten beginnen zu kippen und das vermeintlich Normale fragwürdig wird. Nicht als Provokation, sondern als leise Verschiebung – als Einladung, genauer hinzusehen.

Martin Dessecker wurde 1958 in München geboren. Nach einer Ausbildung in Grafik-Design und Fotografie studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. 

In den 1980er- und 90er-Jahren begann er mit Malerei, Skulptur und Fotografie, bevor sein Werk zunehmend raumbezogene Installationen, filmische Arbeiten und Mischformen einschloss. 

Dessecker zeigt Arbeiten seither regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen, u. a. in Galerien und Institutionen in Deutschland, und realisiert Projekte, die Zeichnung, Objekt, Licht und Raum zu vielschichtigen Wahrnehmungssituationen verknüpfen.

Seine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Zeichnung, Skulptur, Installation und Raum. Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist häufig die genaue Beobachtung alltäglicher Situationen und Bildwelten. Ihn interessiert, wie schnell sich Wahrnehmung verfestigt – und wie sie sich durch minimale Eingriffe wieder öffnen lässt. Dessecker spricht in diesem Zusammenhang selbst vom „Überlisten“ gewohnter Sehweisen.

Formal spielt dabei die Linie eine zentrale Rolle: reduziert, präzise, mit Anklängen an die Comiczeichnung und der grafischen Zeichensprache. Diese vertraute Bildsprache erzeugt zunächst Nähe, entzieht sich jedoch einer eindeutigen Erzählung. Figuren, Zeichen und Fragmente bleiben bruchstückhaft und lassen Bedeutungen bewusst offen.

In „o.T. (normal?)“ wird diese zeichnerische Logik in den Raum übertragen. Der raumB1 fungiert als Bühne einer zurückhaltenden, fast theatralen Inszenierung. Licht, Fläche, Bild und räumliche Setzung treten in Beziehung zueinander, ohne sich zu einem geschlossenen Bild zu fügen. Die Installation versteht sich weniger als Objekt denn als Situation, die erst durch die Wahrnehmung der Betrachtenden vollständig wird.

Die Arbeit ist von außen erlebbar und nutzt den raumB1 als Schwellenraum zwischen öffentlichem Raum und persönlicher Wahrnehmung. Besonders in den Abendstunden entfaltet sich die Installation als stille Intervention im Alltäglichen.

Dank an Fienbork Design für die grafische Gestaltung von Plakat und Karte

Susu Gorth / Joerg Staeger EINDRINGLINGE

Weitere erfolgreiche Ausstellung in der Winterreihe LICHTERKETTE

raumB1 setzte mit der Ausstellung EINDRINGLINGE von Susu Gorth und Joerg Staeger die Winterreihe LICHTERKETTE eindrucksvoll fort. Vom 23. Januar bis 08. Februar 2026 verwandelte sich der Projektraum allabendlich in ein vielschichtiges Gefüge aus Skulptur, Licht, Klang und Bewegung – und wurde zu einem Ort intensiver visueller und akustischer Erfahrung.

Licht als Impuls und Verbindung

Die Ausstellungsreihe LICHTERKETTE versteht Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern als Energie, Impuls und verbindendes Element. In EINDRINGLINGE wurde dieser Gedanke auf radikale Weise weitergedacht: Licht erschien hier als fremde Kraft, die in bestehende Strukturen eindringt, sie markiert, verändert und neu auflädt.

Es war die erste Zusammenarbeit von Susu Gorth und Joerg Staeger – und sie setzte bewusst nicht auf harmonische Ergänzung, sondern auf dialogische Durchdringung. Skulptur, Installation, bewegtes Bild und akustische Interventionen griffen ineinander und entwickelten sich erst im Aufbau vor Ort zu einem finalen Werk. Der Raum selbst wurde zum Mitspieler.

Ein Raum, der atmet

Ergänzt wurde die visuelle Ebene durch eine vielschichtige Klangskulptur: Improvisationen an der Hammond-Orgel (Thomas Schwaiger), digitale Geräusche, elektronische Resonanzen und gezielte Störimpulse verdichteten sich zu einem akustischen Organismus. Der Raum wurde nicht nur bespielt, sondern schien selbst zu atmen.

Im Zentrum stand der Prozess von Befall und Einschreibung:

das Eindringen fremder Kräfte in ein System – und deren Festsetzen, das dieses System von innen heraus verändert.

So verwandelte sich der raumB1 in ein durchlässiges Gefüge, in dem organisch und künstlich, analog und digital, alt und neu ununterscheidbar wurden. Statt Abwehr erzeugten die „Eindringlinge“ Möglichkeit – ein offenes Feld des Werdens.

Große Resonanz

Die Ausstellung stieß auf große Resonanz beim Publikum. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Möglichkeit, die Installation täglich von außen zu erleben oder zur Eröffnung zusammenzukommen. Die besondere Atmosphäre – zwischen Unheimlichkeit und poetischer Intensität – machte EINDRINGLINGE zu einem eindrucksvollen Beitrag der Winterreihe und zu einem starken Auftakt für weitere Projekte im raumB1.

Mit dieser Kooperation wurde deutlich, wie produktiv künstlerische Durchdringung sein kann: als Prozess, als Risiko – und als Lichtimpuls, der Räume nachhaltig verändert.