LICHTERKETTE – die Winterreihe im raumB1
Susu Gorth / Joerg Staeger
EINDRINGLINGE
23. Januar – 08. Februar 2026
täglich von 18 – 22Uhr von außen erlebbar
Eröffnung: Freitag, 23. Januar, 19:00 Uhr, raumB1
Mit EINDRINGLE von Susu Gorth / Joerg Staeger setztder raumB1 die Ausstellungsreihe LICHTERKETTE fort: ein Projekt, das Künstler*innen einlädt, mit unterschiedlichen Medien zu erkunden, wie Licht – im materiellen wie im übertragenen Sinn – Räume, Beziehungen und Wahrnehmung transformiert. LICHTERKETTE versteht Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern als Impuls, Energie, Verbindung: etwas, das Dinge anstößt, verkettet, auflädt, aneinander entzündet.
In diesem Rahmen begegnen sich Susu Gorth und Joerg Staeger in einer gemeinsamen Arbeit. Eindringlinge ist die erste Kooperation der beiden, in der sich ein Prozess entfaltet, der mehr auf dialogische Durchdringung als auf statische Gegenüberstellung zielt – eher auf produktive Störung und Ergänzung als auf abgeschlossene Harmonie. Skulptur, Installation, bewegtes Bild und akustische Interventionen greifen ineinander, bilden ein Terrain, das kein Zentrum kennt und sich durch animiertes Licht fortwährend verändert. Erst im Aufbau vor Ort verbinden sich die Medienstränge zu einem Gefüge; hier – und nur hier – entsteht das finale Werk.
Die installativen Organismen von Susu Gorth bestehen aus ausrangierten Gebrauchsmaterialien unserer Gegenwart. Besonders der wiederverwendete Schaumstoff – ehemals Matratzen – durchläuft seit Jahren verschiedene Stadien in Gorths Werk. Mit jedem Einsatz verliert er Substanz: er zerfällt, franst aus, wird kleiner. Was als Alltagsobjekt funktional begann, erscheint nun als organischer Restkörper, der seine eigene Biografie mitführt – die Einschreibung von Zeit in Material.
Dem setzt Joerg Staeger rudimentäre Lichtanimationen entgegen, teils generiert mit digitalen Partikelsimulationen (in Kooperation mit Stefan Wimmer). Diese Impulse wirken wie parasitäre Spuren: Sie umspielen die Skulpturen, dringen in sie ein, markieren sie, machen sie überhaupt sichtbar. Keine narrativen Projektionen, sondern offene Prozesse, die zwischen organischem Verhalten und algorithmischem System oszillieren – eine Zwischenzone des Lebendigen im Digitalen.
Die Klangskulptur entsteht aus Improvisationen an der Hammond-Orgel (Thomas Schwaiger) sowie digital erzeugten Geräuschen, elektronischen Resonanzen und akustischen Störimpulsen. Es entsteht ein visuell-auditiver Organismus, der den Raum nicht nur füllt, sondern bewohnt – unheimlich, atmend, unabschließbar.
Im Zentrum steht der Prozess von Befall und Einschreibung:
Befall als das Eindringen fremder Kräfte in ein System; Einschreibung als das Festsetzen dieser Kräfte, die das System von innen heraus verändern.
So wird der raumB1 zu einem durchlässigen Gefüge, in dem organisch und künstlich, alt und neu, Funktion und Deformation ununterscheidbar werden. Ein Zustand, der sich der Stabilität verweigert – ein Feld des Werdens, in dem Eindringlinge nicht Abwehr provozieren, sondern Möglichkeit.
LICHTERKETTE – die Winterreihe im raumB1
Susu Gorth / Joerg Staeger
EINDRINGLINGE
23. Januar – 08. Februar 2026
täglich von 18 – 22Uhr von außen erlebbar
Eröffnung: Freitag, 23. Januar, 19:00 Uhr, raumB1
Susu Gorth
Susu Gorth (1974 in Kiel) ist eine deutsche Bildhauerin und Installationskünstlerin, die in München lebt und arbeitet. Nach einer Holzbildhauerlehre (1996–1999) studierte sie Freie Kunst/Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. James Reineking und Prof. Stephan Huber. Ihr Diplom absolvierte sie 2007, seitdem arbeitet sie freischaffend.
Im Zentrum von Gorths künstlerischer Praxis stehen skulpturale und raumgreifende Installationen, die häufig aus Materialien des Alltags, aus Fundstücken oder industriellen Werkstoffen entstehen. Durch Prozesse des Umformens, Verflechtens und Überlagerns entwickeln sich organisch wirkende Strukturen, die Räume temporär besetzen und transformieren. Wiederkehrende Themen sind Wandel, Materialität, Wiederverwertung sowie das Spannungsfeld zwischen Ordnung und Wucherung.
Susu Gorth wurde u. a. mit der Debütantinnenförderung des BBK München und Oberbayern sowie dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und erhielt eine Atelierförderung des Freistaats Bayern. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt und sind auch im Kontext von Kunst-am-Bau-Projekten im öffentlichen Raum präsent.
Lebt und arbeitet in München.
Joerg Staeger
Joerg Staeger (1956 in Stuttgart) ist ein deutscher Künstler, der im Bereich Video-, Raum- und Klanginstallation arbeitet und sowohl in Deutschland als auch in den USA tätig ist. In seinen ortsspezifischen Werken verbindet er bewegte Bilder mit digitalen Prozessen, elektroakustischen Klängen und räumlichen Transformationen. Seine Arbeiten entstehen häufig als immersive Situationen, die Wahrnehmung, Bewegung und Zeit erfahrbar machen – sowohl installativ als auch performativ.
Studien in grafischer Gestaltung, Fotografie, Malerei und Ausstellungsarchitektur führten ihn nach Stockholm und Berlin. Nach Stationen in der Medienentwicklung und 2D/3D-Visualisierung gründete er 1994 in München ein eigenes Studio für Animation, Postproduktion und audiovisuelle Konzepte. Seit 2005 arbeitet er zunehmend im künstlerischen Kontext von Medienkunst und experimenteller Videoarbeit.
Seine Installationen wurden u. a. gezeigt bei THE PASEO Festival Taos (USA), Currents New Media Art Festival, Santa Fe (USA), im raumB1 Utting, der Pfarrkirche St. Stefan Gräfelfing, sowie in Studio Rose Schondorf. Parallel zu seiner installativen Praxis war Joerg Staeger seit den 2000er-Jahren im Theater-, Musiktheater- und Performancekontext tätig. In szenischen Produktionen und interdisziplinären Bühnenformaten entwickelt er Video- und Bild-Raum-Strukturen als eigenständige dramaturgische Ebenen. Staeger realisiert seine Projekte oft an außergewöhnlichen Orten, von sakralen Räumen über Natur- und Außenräume bis hin zu experimentellen Off-Spaces und entwickelt dabei präzise audiovisuelle Atmosphären zwischen Stille und Resonanz, Abstraktion und Intensität.
Lebt und arbeitet in Schondorf am Ammersee (Deutschland) und Arroyo Hondo, New Mexico (USA).
Grafische Gestaltung Plakat und Karte von Frank Fienbork https://www.fienbork-design.de
