Vom Erzählen einer Landschaft

Die Uttinger Galerie Raum B1 präsentiert Hans Dumlers Griechenland-Impressionen

VON NUE AMMANN

Landsberger Tagblatt, 6. Juni 2019

Wie ein unlösbares Puzzle erscheint das einzige, vollständig ausgearbeitete Gemälde Hans Dumlers, das derzeit in der Ausstellung „Griechische Landschaften“ in der Uttinger Galerie raumB1 zu sehen ist. Es ist eines von vielen malerischen Echos der Aufenthalte Dumlers in Griechenland während der Jahre 1966 bis 1968. Dieses eine beispielhafte Acrylgemälde ist eingebettet in eine Sammlung von Skizzen, die der Künstler auf seinen Reisen mit Aquarell, Gouache, Pastellkreiden oder Grafitstift eingefangen hat.

Dumlers „Griechische Landschaften“ überzeugen durch ihre Sperrigkeit und ihre ans Naive grenzende Malweise.

Es sind kleine und zugleich wunderbare Momentaufnahmen eben der Inspiration, die Hans Dumler aus der griechischen Landschaft bezog, die den Hauptteil der Ausstellung stellen und den Betrachter quasi am Entstehungsprozess der später im Atelier entstandenen Gemälde teilhaben lassen.

Nun darf man sich diese Skizzen jedoch nicht als gegenständliche Darstellungen denken, im Gegenteil, denn ihnen liegt eine völlig andere Qualität zugrunde. Hans Dumler war nicht an der Wiedergabe der realen Landschaft interessiert, sondern daran, das Wesen der seit Jahrtausenden gepflegten Kulturlandschaft Griechenlands zu erfassen und nicht zuletzt, die darin gespiegelte humanistische Geschichte mit Elementen wie Gliederung, Ordnung, Wiederholung, Reaktionen auf räumliche Unwägbarkeiten lesbar zu machen. In einer 1997 erschienen Mappe zu einer Ausstellung im Münchner Stadtmuseum ist zu lesen: „Er studierte den Rhythmus von Geländestufen, den Takt aufgereihter Bäumchen, die Ordnungsstruktur der Ackerflächen und entdeckte darin wichtige Kompositionsgesetze. (…) Der Maler entwickelt in Griechenland sein ganz persönliches Farbenvokabular und Bildgesetze, die sein Leben lang wirksam blieben.“ Gesetze, die so grundlegend sind, dass sie dem Betrachter die Möglichkeit bieten, in seinen Bildern gleichsam spazieren zu gehen, um Licht und Wärme zu erinnern, oder den Duft der von der Sonne aufgeheizten Erde eines Olivenhains. Zugleich rutscht aufgrund Dumlers Können keine der Skizzen in emotionsgeladenen Landschaftskitsch ab. Vielmehr überzeugen sie durch ihre Sperrigkeit, ihre ans Naive grenzende Malweise, die darin deutlich wahrnehmbare Sehbegabung und die Kompromisslosigkeit des Künstlers.

Vom Wesen des 2017 im Alter von 95 Jahren verstorbenen Künstlers war am Abend der Vernissage denn auch häufig die Rede: von seiner ungebrochenen, malerischen Virilität, seiner kreativen Energie, seinem Eigen-Sinn, seinen Gewohnheiten, die ihn auszeichneten und welche viele seiner Uttinger Mitbürger seit seines Zuzugs 1992 kennengelernt hatten. Eine Art Nachhall deutlicher Wertschätzung auf künstlerischer wie persönlicher Ebene. Harry Sternberg, Initiator der Galerie raumB1 und Dumlers Uttinger Nachbar, erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede: „Er war gedanklich immer mit seiner Arbeit der Malerei verbunden, fast ein Besessener, um seinen Bildern mit seinen inneren Gefühlen einen künstlerischen Ausdruck zu geben.“ Auch Yvonne Denk, Tochter von Hans Dumlers Ehefrau Ruth und seine Nachlassverwalterin, sowie Peter Tkaczyk, Kunstsammler und langjähriger Freund des Künstlers, die beide Harry Sternberg hinsichtlich der Bereitstellung und Auswahl der Arbeiten unterstützt hatten, sprachen mit tiefer innerer Bewegung von Hans Dumlers Wesen. Laudatorin Christine Riedel brachte es schließlich auf den Punkt: „Selbst in so hohem Alter hatte Hans Dumler immer noch Lust, Antrieb, Motivation und neue Ideen. Das Malen war seine Berufung, sein großer Lebensinhalt, sein Leben.“

Die kleine, aber sehr sehenswerte Ausstellung zeigt nicht nur Dumlers Impressionen der griechischen Landschaft, sondern auch die Topografie seiner künstlerischen Existenz. Zu sehen ist die Werkschau noch bis 23. Juni jeweils an Sonn- und Feiertagen zwischen 14 und 18 Uhr im raumB1, Bahnhofsplatz 1, Utting.

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