“schiNtzeljagd” von Ramona Schintzel

Die Ausstellung ist Teil des Projekts Happening der bildenden Kunst 2021 des Vereins Kunst hält Wache e.V. und gleichzeitig Teil des Kultursommers 2021 Landsberg.

Der Kultursommer Landsberg 2021 #KS2021LL wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert.

Die Ausstellung

Von 16. Oktober bis 14. November wird im und um den raumB1 in Utting am Ammersee die Bilderausstellung „schiNtzeljagd“ stattfinden. Die Ausstellung umfasst im Kern klassische Portraitarbeiten in Öl auf Leinwand, die im Kontext der Umgebung und des Ausstellungsraumes unter Verwendung weiterer Requisiten installiert werden.

Im Bereich um den raumB1 und den Summerpark auf der Wiese bis hin zum Dampfersteg wird eine schiNtzeljagd (hier wird mit dem Nachnamen der Künstlerin kokettiert) geboten werden, im traditionellen Sinn einer Schnitzeljagd. Mehrere Stationen mit Bildern befinden sich auf dem Areal zwischen Summerpark und dem raumB1. Anhand der Bilder und begleitender Texttafeln werden Geschichten erzählt und miteinander verwoben, die so oder so ähnlich an Ort und Stelle stattgefunden haben könnten. So wird der Besucher auf einen Rundgang geführt, während dessen sich die Geschichte der spielenden Kinder und anderer Protagonisten Stück für Stück aufbaut, um ihren Abschluss in einer Installation im raumB1 zu finden.

Die im Freien ausgestellten Werke sind im Freigelände zwischen dem Bahnhof Utting und dem Seeufer sowie im Umfeld des raumB1 am Bahnhofplatz auf der anderen Seite des Bahnhofs zu finden.

Plakat: www.fienbork-design.de
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Terracotta-Figuren – Hans Dumler

Es gibt wieder neue Einblicke in den raumB1 diesmal auf Terracotta-Figuren von Hans Dumler der 2017 mit 95 Jahren in Utting verstarb.

Plakat: www.fienbork-design.de

Gezeigt werden Terrakotta-Figuren von Hans Dumler die Anfang der 80er-Jahre nach einem ersten Herzinfarkt entstanden. Nachdem er vorübergehend am Malen gehindert war entdeckte er für sich Terrakotta als Material für ein neues Ausdrucksmittel. Er formte in Vasenform aufgebaute Figuren auch mit kräftigen Farben und Lack bemalt. In den Arbeiten erkennt man Hans Dumlers hintergründigen Humor. Aus den Figuren  entstand im Laufe der Jahre eine große Familie.

Ort: Raum B1, Bahnhofplatz 1 in Utting
 
Die Ausstellung beginnt mit ersten Einblicken am Samstag, 25. September 2021 ab 17 Uhr

Weitere Einblicke gibt es bis einschl. Sonntag, 10. Oktober 2021

Der raumB1 liegt direkt neben dem Uttinger Bahnhof. Das Besondere: Er ist ganztägig auch von außen einsehbar und in die Abendstunden beleuchtet.

Presseartikel zu “Then On The Other Side”

Süddeutsche Zeitung, Starnberg 10. September 2021, 22:05 Uhr

Ausstellung am Ammersee: Wunderland im Garten
Utting, Galerie B1, Installation

Ein begehbarer Garten, eine Rauminstallation der besonderen Art: Im Uttinger “Raum B 1” ist eine Ausstellung von Kunststudenten zu sehen.
(Foto: Georgine Treybal)

Im Uttinger Raum B 1 ist eine besondere Installation zu sehen

Von Katja Sebald, Utting

Zwei Wochenenden lang verwandelt sich der “Raum B 1” in der Abenddämmerung in einen begehbaren Garten: Mit ihrer Installation “Then on the Other Side” untersuchen die beiden Kunststudenten Franziska Koppmann und Valentin Hesch unterschiedliche Rituale am Ammersee. Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend reichte Pierre Baumann, auch er angehender Künstler, verschiedene “ortsbezogene” Getränke.

Harry Sternberg, Kurator des kleinen Ausstellungsraums am Uttinger Bahnhofsplatz und Mitglied im Verein “Kunst hält Wache”, hat das Projekt zum “Happening der bildenden Kunst” im Rahmen des Landsberger Kultursommers zwar angestoßen und die drei jungen Künstler eingeladen. Ausgangspunkt für die Ausstellung war jedoch eine Sprachnachricht, die ein Mitglied des Burschenvereins Unterfinning vor einiger Zeit versandte und die sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer verbreitete: Im betrunkenen Zustand war der junge Mann nachts auf dem Heimweg versehentlich in ein schamanisches Schwitzhütten-Ritual geraten, aus dem er sich erst in den Morgenstunden wieder befreien konnte. Diese Begegnung in unmittelbarer Nähe zu seinem Heimatort, aber offensichtlich auf der anderen Seite einer imaginären Grenze und in einer völlig anderen Welt, gab Anlass für den Ausstellungstitel “Then on the Other Side”.

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“Then On The Other Side” Franziska Koppmann & Valentin Hesch

Nach Hannah Doepkes sehr erfolgreichen interaktiven Projekt „Bild, gegen Bild, gegen Gedanken“ mit über 70 Teilnehmern im raum B1 gibt es als nächstes eine Ausstellung der jungen Künstler*Innen Franziska Koppmann & Valentin Hesch mit dem Titel “then on the other side” 

Für die zweiwöchige Ausstellung im Raum B1 realisieren die Beiden eine ortsbezogene Installation.

Grundlage dafür ist die Untersuchung unterschiedlicher, lokaler Lebensformen und dessen Rituale. 

Franziska Koppmann geboren 1995 studiert Medienkunst an der AdBK Nürnberg und an der HGB Leipzig und Valentin Hesch, geboren 1995 in Windach, studiert an der AdBK Nürnberg und Medienkunst an der HfG Karlsruhe.

Es ist ein Projekt zum „Happening der bildenden Kunst“, dass der Verein Kunst hält Wache zum Kultursommer Landsberg initiiert hat. Der Kultursommer Landsberg 2021 #KS2021LL wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert. 

Ort: Raum B1 Bahnhofplatz 1 86919 Utting

Eröffnung: 09. September 2021 18:00—21:00 Uhr
mit Orts-bezogenen Drinks von Pierre Baumann

Ausstellungsdauer: 10. – 19. September 2021

Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 16:00—20:00 Uhr und nach Vereinbarung

„Bild, gegen Bild, gegen Gedanken“ von Hannah Doepke

Von Mitte August bis Mitte September 2021 wird die junge Kunst in den Raum B1 in Utting einziehen

Den Anfang macht Hannah Doepke mit ihrem interaktiven Projekt „Bild, gegen Bild, gegen Gedanken“

Was bedeutet Gemeinschaft und inwiefern bin ich Teil von ihr? Wir alle fühlen uns irgendeiner oder mehrerer Gemeinschaften zugehörig. Sei es die Clique, die Familie, der Verein, das Dorf oder die Stadt. Jede und jeder ist ein Glied in einer großen Kette, Masche in einem Netz, Windung in einem Knoten. Diese komplexen Zusammenhänge bestehen aus aktiven und passiven Anteilen, positiven und negativen Abhängigkeiten, Gedanken und Handlungen.

Bei dem interaktiven Projekt „Bild, gegen Bild, gegen Gedanken“ sind die Menschen dazu eingeladen, im Raum B1 in Utting vorbeizukommen, um mit Hannah Doepke das Gesicht einer Gemeinschaft zu erschaffen. Es soll ein Raum gestaltet werden, um der Frage nachzugehen, welche Bedürfnisse und Defizite in Gemeinschaften existieren. Bei einem Besuch wird die Künstlerin  die Besucher bitten, zwei Fragen anonym zu beantworten und außerdem die Berechtigung zu geben, für wenige Sekunden ein Porträt zu filmen. Im Gegenzug dazu erhalten die Besucher von ihr ein Portrait von sich als Geschenk als Dankeschön für die Unterstützung.

Mit den gesammelten Materialien wird Hannah Doepke eine Videomontage erstellen, die die Komplexität und Verwobenheit von Gemeinschaft zu hinterfragen und zu illustrieren versucht.

Anmeldung: Bitte vorab anmelden über die Webseite:

https://pad.riseup.net/p/Bild_gegen_Bild_gegen_Gedanken_Anmeldung

telefonisch  (0151-50317414) ein Zeitfenster vereinbaren   

spontan kommen.  

Es sind 20 Minuten pro Termin vorgesehen.

Ort: Raum B1 Bahnhofplatz 1 86919 Utting

Termine:

16.08. 12-20 Uhr
17.08. 11-20 Uhr
18.08. 11-18 Uhr

23.08. 11-20 Uhr
24.08. 11-16 Uhr
25.08. 11-20 Uhr

Weitere Informationen auch über www.raumb1.de und Instagram: hnnhdpke

Über die Künstlerin: Hannah Doepke wurde 1996 in München geboren und wuchs am Ammersee auf. Seit 2018 studiert sie Bildende Kunst an der Hochschule für bildende Kunst Dresden in der Klasse für übergreifendes Künstlerisches Arbeiten bei Prof. Nevin Aladağ. Sie arbeitet in den Bereichen audiovisuelle Medien, interaktive Installation und Performance. Dabei besitzen ihre Werke als Kernthema oft die Frage nach der Schnittstelle von Individuum und Gesellschaft. Durch das Aufzeigen unterschiedlicher Perspektiven in der Ausstellungssituation wird versucht, der Relativität von individueller Wahrheit ein Plattform zu geben und diese zu hinterfragen.

KUNST HÄLT WACHE präsentiert HOLZWEGE im Landsberger Frauenwald

Weitere Infos: Holzwege (kunst-haelt-wache.de

https://www.br.de/mediathek/video/holzwege-kultursommer-in-landsberg-am-lech-av:610d7789d5ea8b0008aab131
BR-Rundschau Beitrag vom 6.08.2021 zu Kunst hält Wache – Holzwege von Gaby Weber

Beitrag Holzwege von heute am 5. August 2021 in der Kulturwelt Bayern 2 von Roland HHBiswurm

Die Workshops

Insgesamt sind sechs Workshops in den Bereichen Theater/Performance, Word/Sprache, Zeichnen/Illustration, Musik/Video und Skulptur/Installation geplant. Ihre Ergebnisse sollen auch in der Ausstellung präsentiert werden.

Der Fokus des neuen Projekts wird verstärkt auf die Jugend gesetzt. „Gerade in dieser Zeit des kulturellen Verzichts durch die Pandemie wollen wir möglichst vielen jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich kreativ mit den Themen unserer Zeit auseinandersetzen“, erläutert Franz Hartmann.

Das Rahmenprogramm

Das Rahmenprogramm in der alten Wache mit viel Musik, Comedians, Artistik und Kindertheater findet von Anfang bis Mitte August bei freiem Eintritt statt.

Die Ausstellung

Wer über das Thema HOLZWEGE sprechen will, befindet sich naturgemäß auf dem Holzweg. Fragen bleiben ohne Antworten, Lösungen verlieren sich im Unterholz. Was bleibt?
Die Ausstellung versammelt zwölf Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen. Gemeinsam ist ihnen die Arbeit an einem je ganz eigenen künstlerischen Bau. (Kurator: Janos Fischer)

In der generationenübergreifenden Ausstellung werden sechs bis acht professionelle Künstler Arbeiten präsentieren, die das Thema Nachhaltigkeit weiträumig beleuchten und zum Teil eigenwillige Interpretationen liefern. „Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ bezeichnet eine Ressourcen-Nutzung, die das eigene System schont und vor dauerhaftem Schaden bewahrt“, erläutert Janos Fischer, der die Ausstellung kuratiert.

Was kann das bedeuten für die Kunst? Was können wir unter nachhaltiger Kunst verstehen? „Als Antwort bietet sich der etwas unbestimmte Begriff ‚Kreativität‘ an, der zwar schwer misshandelt, aber im Beuys’schen Sinn durchaus eine berechtigte Verwendung finden kann.

Diese Kreativität gilt es nun im künstlerischen Schaffensprozess nachhaltig zu nutzen. Diese Nutzung orientiert sich nicht am Markt. Sie stellt nicht Produkte her, die sich gewinnbringend verkaufen lassen, sondern fördert eine stetige Entwicklung künstlerischer Ansätze.“ Die geplante Ausstellung in der Alten Wache will Künstler vorstellen, die in diesem Sinn nachhaltig arbeiten. Janos Fischer: „Ob dabei natürliche Materialien verwendet werden, oder verbrauchtes Material recycelt zum Einsatz kommt, spielt dabei nur eine nebengeordnete Rolle. Die Ausstellung möchte den Menschen in den Mittelpunkt rücken, in dessen innerer Verfassung jeder Begriff von Nachhaltigkeit wurzelt.

Die teilnehmenden Künstler


Manuela Hartel
Pio Zilz
Doris Trummer
Valentin Manz
Andreas Stetka
Bruno Hoffmann

Michael Goldgruber
Matthias Rodach
Markus Butkereit
Lee Jioun
Tam Tam
Rita Hensen

In der Ausstellung werden auch die Ergebnisse der Workshops präsentiert. Außerdem bekommen junge Künstler, die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten zu beteiligen: Vincent Gohlich (ERWA), Johanna Krach mit Lennard Möller, und Fabian Husel.

“Funkenflüge” Katinka Schneweis und Sybille Engels

Am Anfang war es ein Experiment, ein Spiel.

„Es heißt doch, dass ein Bild erst dann vollendet ist, wenn es eine(n) Betrachter(in) hat“, schrieb Katinka Schneweis an Sybille Engels. „Damit könnten wir arbeiten. Du schickst mir ein Bild und schreibst einen Text dazu. Und ich betrachte dein Bild und halte meine Gedanken und Gefühle zu dem Bild fest.

Fertig.

Nächstes Werk. Fliegende Gedanken.

Eine fortlaufende Kette. Jeweils eine Arbeit, die aus einem Bild und zwei Texten besteht. Jedesmal sozusagen eine kleine Vollkommenheit. Was meinst du?“

Aus den fliegenden Gedanken wurde ein Funkenflug, der die beiden höchst unterschiedlichen Künstlerinnen – die eine abstrahierend, die andere gegenständlicher – in einen künstlerischen Dialog in Wort und Bild führte, der sich über Monate hinweg fortschrieb. Dabei kristallisierte sich bald heraus, dass es um die Auseinandersetzung mit dem Malen ging, um den Prozess des Malens selbst. Entstanden sind dabei über 200 Blätter, die, obwohl der malerische Duktus unterschiedlicher nicht sein könnte, in der Gesamtschau überraschend zusammenpassen. Eine Auswahl von rund 40 Blättern, teils Aquarell, teils Öl, wird an einer Wäscheleine an Klammern aufgereiht im B1 zu sehen sein – eine Hängung, die der spielerischen Leichtigkeit des Entstehungsprozesses entspricht.

Katinka Schneeweis und Sybille Engels
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„Wish I could fly“ llse Gams

Am Freitag, 09.07.2021 um 17 Uhr findet die Eröffnung der Ausstellung “Wish I could fly” von Ilse Gams vor dem raumb1 statt.

Der Titel bezieht sich auf das jüngste Werk der Malerin. Es zeigt ein Mädchen in einem weißen Festkleid auf einem verrutschten Perserteppich am Boden liegen, die Haare festlich geschmückt, in der rechten Hand vielleicht ein Medaillon oder eine altmodische Taschenuhr. Ihre Augen sind geschlossen, die Gesichtszüge hart, eher männlich, fast wütend oder enttäuscht. Schläft es? Über ihm ein dunkles Grau, wie angedeutete Nacht. Der Blick des Betrachters richtet sich von oben auf die Gestalt. Was er empfinden mag, ist schwer in Worte zu fassen. Vielleicht ist seine Vorstellung hin- und hergerissen, ob es sich um einen Augenblick der Entspannung handelt oder ob wohl zuvor etwas Schreckliches passierte?

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Presseartikel zu “opposites & dialogues”

Süddeutsche Zeitung, Landkreis Starnberg, R7, Montag 14. Juni 2021

Ausstellung: Antworten in Bildern

Harry Sternberg und Thorsten Fuhrmann zeigen ihre Fotografien “Opposites and Dialogues” im Uttinger Raum B 1

Von Katja Sebald, Utting

Das “Real Life” steht wieder hoch im Kurs, nicht erst, seit alle in den Monaten der Pandemie ohne Kontakt zu echten Menschen vor den Bildschirmen dahinvegetierten, und nicht erst, seit eine Netflix-Dokumentation vor dem Gebrauch sozialer Medien gewarnt hat. Die aktuelle Ausstellung im “Raum B 1” aber hätte es nicht gegeben, wären sich Thorsten Fuhrmann und Harry Sternberg, die sich nur dem Namen nach kannten, nicht in Facebook begegnet. Freilich haben auch sie ihr Projekt “Opposites and Dialogues” irgendwann ins echte Leben verlagert – und dort präsentieren sie es jetzt auch: In einem echten Ausstellungsraum für echte Zuschauer und sogar zum Anfassen in einem echten kleinen Büchlein auf echtem Papier.

Harry Sternberg, Jahrgang 1953, kuratiert seit 2017 die Ausstellungen im “Raum B1”, dem ehemaligen Fremdenverkehrsamt am Uttinger Bahnhofsplatz 1. Beinahe ebenso lange führt er eine Art fotografisches Tagebuch mit dem Smartphone, das er unter dem Titel “en passant – im Vorbeigehen” bereits in verschiedenen Zusammenhängen präsentierte. Es sind keine sorgfältig inszenierten Aufnahmen, sondern winzige Ausschnitte der Welt, Merkwürdigkeiten und Nebensächlichkeiten, die ihm im Alltag begegnen. Auch wenn Sternberg, der an der Neuen Kunstschule Zürich ein Fernstudium für Fotografie absolvierte, für diese Momentaufnahmen keine professionelle Kamera einsetzt und die Bilder so gut wie nicht bearbeitet, so profitieren sie doch von seinem geschulten Auge, von der geübten Wahl des richtigen Ausschnitts wie auch von seinem konzeptionellen Denken in Serien. Zunächst aber postete er diese Alltagsbildchen einfach in Facebook.

Utting:  B1  opposites & dialogues
Besteck zu Besteck: Fuhrmann antwortete auf Sternbergs Alltagsbilder stets mit einem Pendant. (Foto: Nila Thiel)

Was für eine Überraschung, als aus den Tiefen des Netzes jemand auftauchte, der zu jedem dieser Bilder ein anderes Bild als Antwort postete. Thorsten Fuhrmann, geboren 1961, lebt als Künstler und Kurator in Huglfing. Er studierte Kunstgeschichte und Volkskunde, seine eigene Kunst findet er abseits der Ausstellungen und Museen, manchmal auf Bergwanderungen und meistens ebenfalls “im Vorbeigehen”. Seit vielen Jahren entstehen unterschiedli- che Arbeiten und Projekte mit den Schwerpunkten Bücher, Collagen, Copy-Art, Editionen, Fotografie, Mailart, Malerei, Performance, Text- und Schrift. Man könnte meinen, seine Fotoserie “Ich war’s nicht” ist eine passgenaue Ergänzung zu den Fotos von Harry Sternberg.

Der Titel dieser Serie weist in seiner Doppeldeutigkeit aber bereits darauf hin, dass es so einfach eben nicht ist. Besteht nun die Kunst darin, eine Hauswand zu bekritzeln? Ist es Kunst, ein ausrangiertes Besteck auf einen Maschendraht zu stecken? Oder kann man schon von Kunst sprechen, wenn jemand Hunderte von Schneestangen beim Stapeln ordentlich nach Farben sortiert? Oder werden all diese Dinge erst zu Kunst, wenn der Fotograf sie für bildwürdig erachtet? Wenn er Strukturen, Ordnung, Rhythmus und Schönheit sieht, wo jemand etwas beschädigt, liegen gelassen oder aufgeräumt hat? Oder, noch einen Schritt weiter, entsteht die Kunst erst in dem Moment, in dem sich zwei Künstler begegnen, die ähnlich ticken? Wenn sie die Welt ein kleines bisschen freundlicher und schöner machen, weil sie ihre Fundstücke austauschen und sie in einer Art Frage-und-Antwort-Spiel zu Bildpaaren anordnen?

Utting:  B1  opposites & dialogues
Harry Sternberg (rechts) und Thorsten Fuhrmann haben sich über die sozialen Medien gefunden. (Foto: Nila Thiel)

Und so kommt zur Wandkritzelei eine zweite Wandkritzelei. Zu den Gabeln auf dem grünen Maschendraht finden sich zwei grüne Eislöffelchen zwischen Grashalmen. Ein Haufen Knöpfe antwortet auf einen Haufen alter Brillengestelle, ein Irgendwas in Pastelltönen gehört zu einem anderen pastellfarbigen Ausschnitt der Welt, ein Licht zu einem Schatten, ein vergessenes Fahrradschloss zu einem verknoteten Seil. Bis zum 4. Juli 2021 ist der kleine Ausstellungsraum an den Sonntagnachmittagen geöffnet. Der Betrachter darf sich dann auf ein kleines Stühlchen setzen und sich, von Musik eingelullt, durch diese wundersam heitere Bilderwelt träumen, die in einer Slideshow präsentiert wird.

Wem das nach Ausgangssperre und Kontaktbeschränkung doch noch zu viel “Real Life” ist, der kann die Bilder-Show an allen anderen Tagen durch ein Guckloch in der Tür anschauen oder sich das kleine Büchlein kaufen, das im icon-Verlag zur Ausstellung erschienen ist: Die beiden Künstler haben darin sechzig Bilder so gegenübergestellt, dass das Buch zwei Anfänge, aber kein Ende hat.

Juni 2021, 21:57 Uhr