Andreas Kloker – Konstellation / Kunst

Andreas Kloker
Konstellation / Kunst*
*Der Versuch einer Darstellung
21.08. – 06.09.2026

Was ich sehe, will etwas von mir.

Ließe sich mit diesem Satz ein Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit von Andreas Kloker beschreiben?

Nicht eine Idee sucht nach ihrer Form. Es ist die Welt selbst, die den Künstler anspricht. Ein Stück Holz. Ein Ziegelstein. Ein verrostetes Eisenteil. Ein Raum. Ein Licht. Eine Situation. Nichts bleibt bloßer Gegenstand. Alles tritt in Beziehung. Was er sieht, fordert eine Antwort.

Diese Antwort heißt Kunst!

Aber was bleibt von einer künstlerischen Handlung nach fast dreißig Jahren?

Mit dieser ebenso einfachen wie weitreichenden Frage setzt sich Andreas Kloker in seiner aktuellen Installation auseinander. Er greift eine Arbeit wieder auf, die er einst 1997 im Taubenturm in Dießen entwickelte. Aber nicht als Rekonstruktion. Denn weder der Ort noch die Zeit und schon gar nicht der Künstler sind dieselben geblieben.

Foto: Yorck Dertinger

Die Ausstellung im raumB1 ist vielmehr eine erneute Annäherung an eine künstlerische Arbeit. An einem anderen Ort, von einem veränderten Menschen, in einer veränderten Zeit.

Als die erste Installation 1997 im Taubenturm in Dießen gezeigt wurde, beschrieb die Süddeutsche Zeitung sie als eine Arbeit von „hintergründiger Ordnung“. Ingrid Zimmermann schilderte einen Raum aus Brettern, Ziegelsteinen, Gusseisen, Maultrommeln, Dachplatten und Werkzeugen. Nichts wirkte dekorativ oder zufällig. Die Dinge schienen auf etwas zu warten. Auf Handlung. Auf Aufmerksamkeit. Auf den Menschen.

Vielleicht ist es genau diese Erwartung, die Andreas Klokers Arbeit bis heute prägt.

Dabei interessiert Kloker nicht das abgeschlossene Kunstwerk. Ihn interessiert der Moment, in dem ein Gegenstand seine vertraute Funktion hinter sich lässt und etwas anderes werden kann. Materialien tragen Erinnerungen in sich. Spuren von Zeit, Gebrauch, Bedeutung und Veränderung. Ein Ziegelstein bleibt ein Ziegelstein. Und vielleicht eben nicht.

Erst in der Beziehung der Dinge zueinander entsteht das, was Kloker als Konstellation versteht.

Eine Konstellation ist keine feste Ordnung. Sie ist ein offenes Gefüge. Obgleich jedes Teil eine eigene Geschichte in sich trägt, liegt die Bedeutung in diesem Fall nicht im einzelnen Gegenstand. Sie entsteht dazwischen. Zwischen Material und Raum. Zwischen Wahrnehmung und Erinnerung. Zwischen dem Werk und dem Menschen, der ihm begegnet.

Der Untertitel Der Versuch einer Darstellung verweist auf diese Offenheit. Es geht nicht um ein endgültiges Ergebnis. Die Ausstellung bleibt bewusst ein Versuch.

Denn ein Versuch darf suchen. Er darf prüfen, verwerfen und neu ordnen. Er muss nicht so tun, als wäre bereits alles geklärt. Andreas Kloker verfolgt diesen Weg seit vielen Jahrzehnten mit großer Beharrlichkeit und einer unverwechselbaren künstlerischen Sprache.

Am 24. April 2026 wurde der in Schondorf am Ammersee lebende Künstler mit dem Kunstpreis des Landkreises Landsberg am Lech ausgezeichnet. Gewürdigt wurde sein vielseitiges Werk aus Zeichnungen, Objekten, Installationen, Schreibbildern und performativen Arbeiten.

Für den raumB1 ist es deshalb eine besondere Freude, Andreas Kloker unmittelbar nach dieser Auszeichnung mit einer Ausstellung präsentieren zu können.

Mit Konstellation / Kunst* Der Versuch einer Darstellung treffen zwei Perspektiven aufeinander.

Für Andreas Kloker liegt der Ausgangspunkt in der eigenen künstlerischen Erfahrung. Materialien, Formen und Gedanken einer früheren Arbeit werden erneut verfügbar. Durchaus als Erinnerung, aber auch als Material für etwas, das erst jetzt entstehen darf.

Kurator Joerg Staeger setzt an einem etwas anderen Punkt an. Ihn interessiert nicht die Wiederherstellung eines historischen Werkes und auch nicht der rückwärtsgewandte Blick. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, was geschieht, wenn Klokers damalige künstlerische Haltung unter veränderten Bedingungen in die Gegenwart tritt.

Was damals entstanden ist, wird wieder offen.

So wird aus der Wiederaufnahme keine Rückschau, sondern die Fortsetzung eines künstlerischen Dialogs.

Andreas Kloker und Joerg Staeger im Gespräch / Foto: Yorck Dertinger

Und dann sind da noch die Betrachter.

Denn eine Konstellation aus Dingen und Raum verändert sich in dem Moment, in dem jemand den Raum betritt. Die Besucher schauen nicht nur auf etwas. Sie bewegen sich darin, verändern ihre Perspektive und stellen eigene Beziehungen zwischen den Dingen her. Vielleicht entdecken sie eine Ordnung. Vielleicht eine ganz andere als die, die Andreas Kloker gesehen hat.

Man könnte dabei an Marcel Duchamp denken, für den sich ein Kunstwerk erst in der Begegnung mit dem Betrachter vollendet. Bei Andreas Kloker verschiebt sich dieser Gedanke. Der Betrachter vollendet das Werk nicht. Er tritt in die Konstellation ein und wird für einen Moment selbst Teil von ihr.

Vielleicht beginnt Kunst genau dort, wo wir erkennen:

Was ich sehe, will etwas von mir.

Foto: Yorck Dertinger

Andreas Kloker
Konstellation / Kunst*
*Der Versuch einer Darstellung
21. August bis 6. September 2026
Vernissage
Freitag, 21.08., 19 Uhr
Öffnungszeiten
So, 23.08., 15–19 Uhr
So, 30.08., 15–19 Uhr
So, 06.09., 15–19 Uhr (Finissage)

www.andreaskloker.de