Süddeutsche Zeitung, Landkreis Starnberg, Mittwoch, 23. März 2022
Mit der Ausstellung „Der Sarg“ zeigen Andreas Kloker und Axel Wagner im Uttinger B1 eine makaber wirkende Kunstschau. Das Projekt will sich aber weniger dem Tod als dem Umgang mit der eigenen Lebenszeit widmen
Von Katja Sebald, Utting
Andreas Kloker und Axel Wagner haben es getan: Sie haben sich ihren eigenen Sarg gebaut. Die befreundeten Künstler beschäftigen sich seit langem mit dem Thema Zeit. Als „Prolog“ zu einer geplanten Ausstellung in Landsberg zeigen sie derzeit im Raum B1 am Uttinger Bahnhofsplatz die Gefäße, in denen sie ihre letzte Reise antreten wollen. Das ehemalige Fremdenverkehrsamt erinnert mit den beiden schräg aufgestellten Särgen hinter den großen Scheiben auf geradezu makabere Weise an eine Aufbahrungshalle – es sei sich jedoch ein Projekt, dass sich weniger dem Tod als dem Umgang mit der eigenen Lebenszeit widmen will, versichern beide Künstler.
Utting – Die Physik kennt keine Zeit. Sie ist eine Erfindung des Menschen, um die Erfahrungen von „Vergangenheit“ und „Zukunft“ im wabernden Nebel des uns Umgebenden einordnen zu können. Gerade deshalb ist sie lebensbestimmend – vor allem, weil sie für jeden einzelnen endet. Andreas Kloker aus Schondorf und Axel Wagner aus Greifenberg nähern sich diesem mysteriösen Konstrukt auf künstlerischem Weg: in der Ausstellung „Zeit ist.“, die ab Juli in der Landsberger Zedergalerie zu sehen sein wird. Der Prolog dazu hat bereits begonnen – und zwar mit dem Ende: Wagner und Kloker haben ihre Särge gebaut. Und in Harry Sternbergs Schaufenstergalerie, dem raumB1 in Utting aufgestellt.
Holzfiguren von Peter Pongratz sind von nächstem Sonntag an am Bahnhofsplatz in Utting zu sehen
Holzfiguren von Peter Pongratz sind von nächstem Sonntag an im Fenster des Raums B 1 am Bahnhofsplatz in Utting zu sehen. Die Ausstellung heißt „Der Alte Peter und seine Welt“. Pongratz (1890 bis 1973), der Großvater des Finninger Goldschmieds Peter Michael Scholz, hatte die Schnitzereien in seiner Freizeit gefertigt, er ließ sich dabei von seinem Leben und seiner Umgebung inspirieren. Die Zusammenstellung der Kunstwerke wechselt jede Woche. Das Fenster wird vom 1. Advent bis zum 15. Januar 2022 mit den Figuren geschmückt sein. Die Installation wird beleuchtet, damit sie auch bei Dunkelheit bewundert werden kann
Neues Fenstergucken in den Raum B1 ab 1. Advent, 28. November 2021 bis 16. Januar 2022, „Der „Alte Peter“ und seine Welt“ von Peter Pongratz
Gut trainiert und sportlich samma
Zur Geschichte
Der Großvater vom Finninger Goldschmied Peter Michael Scholz (Galerie Goggolori) Peter Pongratz wurde in München am 29.6.1890 geboren. Er war verheiratet mit Elisabeth, mit der er 4 Kinder hatte und Schlosser bei der Reichsbahn und wohnte in einem der Reichsbahnhäuser am östlichen Ring. Gestorben ist sein Großvater am 11.4. 1973 in München.
In späteren Jahren wurde sein Großvater von allen der „Alte Peter“ genannt. Vielleicht lag es daran, dass in dieser Familie traditionsgemäß alle männlichen Erstgeborenen Peter hießen; aber sicherlich lag es auch daran, dass er genauso ehrlich und aufrecht dastand wie der „Alte Peter“ in München. So jedenfalls hat das der Enkel als Kind empfunden. Noch etwas hat ihn an seinem Großvater fasziniert, er schnitzte in seiner Freizeit Figuren, die all das verkörperten, was er in seiner Umgebung vorfand und was ihn ausmachte. Das gab ihm Zufriedenheit und das Gefühl, dass er in einer Welt lebte, die zu ihm gehörte. Wahrscheinlich waren das für Peter Michael Scholz die entscheidenden Impulse, später das Goldschmiedehandwerk zu erlernen, und nicht wie sein Vater, Jurist zu werden.
Er freute sich sehr, dass ihm sein Vetter vor einiger Zeit eine Kiste anlieferte, in der er all diese Figuren vorfand – in gutem oder im verletzten Zustand. Mit jeder Figur, die Peter Michael Scholz in die Hand nahm, stieg auch sein Großvater Stück für Stück aus der Kiste und zum Schluss waren alle wieder lebendig, der Großvater samt seinen Figuren und er mit seinen wunderbaren Erinnerungen an ein Stück heile Welt.
Und nun freut sich Peter Michael, dass er das mit den lieben Fensterguckern vom Raum B1 teilen darf. Jede Woche ab dem 1. Advent wird eine neue Gruppe zu sehen sein.
Raum B1, Bahnhofplatz 1
Fensterguckdauer täglich vom 28.11.2021 – 16.01.2022 auch abends beleuchtet
Jede Woche wird eine neue Gruppe zu sehen sein:
Die Flaschenhüter
Gut trainiert und sportlich samma
Handwerksleut
Das weihnachtliche Dorforchester
Prost Neujahr auf eine neue Runde
Stabpuppen schauen aus dem Guckloch und Ihr Fenstergucker schaut in das Guckloch
Die Ausstellung ist Teil des Projekts Happening der bildenden Kunst 2021 des Vereins Kunst hält Wache e.V. und gleichzeitig Teil des Kultursommers 2021 Landsberg.
Der Kultursommer Landsberg 2021 #KS2021LL wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert.
Die Ausstellung
Von 16. Oktober bis 14. November wird im und um den raumB1 in Utting am Ammersee die Bilderausstellung „schiNtzeljagd“ stattfinden. Die Ausstellung umfasst im Kern klassische Portraitarbeiten in Öl auf Leinwand, die im Kontext der Umgebung und des Ausstellungsraumes unter Verwendung weiterer Requisiten installiert werden.
Im Bereich um den raumB1 und den Summerpark auf der Wiese bis hin zum Dampfersteg wird eine schiNtzeljagd (hier wird mit dem Nachnamen der Künstlerin kokettiert) geboten werden, im traditionellen Sinn einer Schnitzeljagd. Mehrere Stationen mit Bildern befinden sich auf dem Areal zwischen Summerpark und dem raumB1. Anhand der Bilder und begleitender Texttafeln werden Geschichten erzählt und miteinander verwoben, die so oder so ähnlich an Ort und Stelle stattgefunden haben könnten. So wird der Besucher auf einen Rundgang geführt, während dessen sich die Geschichte der spielenden Kinder und anderer Protagonisten Stück für Stück aufbaut, um ihren Abschluss in einer Installation im raumB1 zu finden.
Die im Freien ausgestellten Werke sind im Freigelände zwischen dem Bahnhof Utting und dem Seeufer sowie im Umfeld des raumB1 am Bahnhofplatz auf der anderen Seite des Bahnhofs zu finden.
Gezeigt werden Terrakotta-Figuren von Hans Dumler die Anfang der 80er-Jahre nach einem ersten Herzinfarkt entstanden. Nachdem er vorübergehend am Malen gehindert war entdeckte er für sich Terrakotta als Material für ein neues Ausdrucksmittel. Er formte in Vasenform aufgebaute Figuren auch mit kräftigen Farben und Lack bemalt. In den Arbeiten erkennt man Hans Dumlers hintergründigen Humor. Aus den Figuren entstand im Laufe der Jahre eine große Familie.
Ort: Raum B1, Bahnhofplatz 1 in Utting
Die Ausstellung beginnt mit ersten Einblickenam Samstag, 25. September 2021 ab 17 Uhr
Weitere Einblicke gibt es bis einschl. Sonntag,10. Oktober 2021
Der raumB1 liegt direkt neben dem Uttinger Bahnhof. Das Besondere: Er ist ganztägig auch von außen einsehbar und in die Abendstunden beleuchtet.
Süddeutsche Zeitung, Starnberg 10. September 2021, 22:05 Uhr
Ausstellung am Ammersee: Wunderland im Garten
Ein begehbarer Garten, eine Rauminstallation der besonderen Art: Im Uttinger „Raum B 1“ ist eine Ausstellung von Kunststudenten zu sehen. (Foto: Georgine Treybal)
Im Uttinger Raum B 1 ist eine besondere Installation zu sehen
Von Katja Sebald, Utting
Zwei Wochenenden lang verwandelt sich der „Raum B 1“ in der Abenddämmerung in einen begehbaren Garten: Mit ihrer Installation „Then on the Other Side“ untersuchen die beiden Kunststudenten Franziska Koppmann und Valentin Hesch unterschiedliche Rituale am Ammersee. Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend reichte Pierre Baumann, auch er angehender Künstler, verschiedene „ortsbezogene“ Getränke.
Harry Sternberg, Kurator des kleinen Ausstellungsraums am Uttinger Bahnhofsplatz und Mitglied im Verein „Kunst hält Wache“, hat das Projekt zum „Happening der bildenden Kunst“ im Rahmen des Landsberger Kultursommers zwar angestoßen und die drei jungen Künstler eingeladen. Ausgangspunkt für die Ausstellung war jedoch eine Sprachnachricht, die ein Mitglied des Burschenvereins Unterfinning vor einiger Zeit versandte und die sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer verbreitete: Im betrunkenen Zustand war der junge Mann nachts auf dem Heimweg versehentlich in ein schamanisches Schwitzhütten-Ritual geraten, aus dem er sich erst in den Morgenstunden wieder befreien konnte. Diese Begegnung in unmittelbarer Nähe zu seinem Heimatort, aber offensichtlich auf der anderen Seite einer imaginären Grenze und in einer völlig anderen Welt, gab Anlass für den Ausstellungstitel „Then on the Other Side“.